Es weihnachtet ...

Wie jedes Jahr um diese Zeit, wenn die Tage kurz und die Nächte immer länger werden, machte sich Herr P. aus S. Gedanken, was er denn nun seiner Frau zu Weihnachten schenken könnte.

Er hatte schon seit einigen Tagen in diversen Zeitschriften, Prospekten, Schaufenstern und auch im Internet herumgestöbert. Hier und da waren auch ein par Dinge dabei, die ihr wahrscheinlich gefallen könnten. Diese dienten jedoch meist zur Erleichterung der Hausarbeit, die sie tagein tagaus verrichtete.  Aber gerade dieser Umstand gefiel Herrn P. nicht !

Er wollte ihr keine Freude machen, mit der er ihr die Arbeit erleichtern konnte, die sie notgedrungen erledigte……zum großen Teil für ihn erledigte !!

Schließlich wusste er ja, dass sie für ihn den deftigen Braten in den Ofen schieben würde, der in dem angebotenen, schick aussehenden und funktionell erscheinenden Bratgefäß sicher sehr lecker schmecken würde. ….seine Frau legte gar keinen Wert auf  Fleisch.

Es waren seine Hemden, die sie mit dem neumodischen Dampfbügeleisen unter erleichterten Bedingungen würde bügeln können.

„Warum muss die Frau denn auch immer so wunschlos sein ?“….fragte sich Herr P.
„Warum weiß Sie den Wert von edlen Schmuck oder Parfum nicht zu schätzen ? Wieso muss ihr einziges Hobby ausgerechnet der Chorgesang sein, wofür man keine weiteren Utensilien braucht…?“

Wenn Herr P. sie mal fragte, was sie sich  wünschte, bekam er immer nur Dinge genannt, die man für Geld nicht kaufen kann:….das klassische „Glück und Gesundheit“. „Na toll“…gab Herr er dann jedes mal  zur Antwort.

Irgendwann hatte Herr P. dann eine Idee zu einer ganz anderen Herangehensweise an die Frage nach dem richtigen Geschenk:  „Wenn sie mir nicht  sagt, was ich ihr schenken kann, dann schenke ich ihr einfach das, was ICH ihr gerne schenken MÖCHTE!“

Kaum hatte er diesen Entschluss gefasst, da war es auch schon wieder da:….dieses Gefühl….dieses unangenehm tief im Herzen drückende Gefühl, das er bisher nicht so recht einordnen konnte. Doch nun nahm es klare Formen an:

Herr P. hatte schon seit langer Zeit den Wunsch, seiner Frau zu sagen wie sehr er sie nach all den Jahren Ehe immer noch liebte!
Ihr zu sagen, wie bereichernd er ihre Gegenwart empfindet,……wie wohl er sich bei ihr fühlt, wenn er abends von der Arbeit nach Hause kam,……wie stolz er auf sie ist, dass sie den ganzen Haushalt so gut im Griff hat……wie dankbar er ihr jedes mal ist, wenn er ein frisch gewaschenes und gebügeltes Hemd aus dem Schrank anzog oder den leckeren Sonntagsbraten von ihr aufgetischt bekommt……

Aber er tat es nicht.
Es fiel ihm einfach zu schwer.

„Warum fällt mir das eigentlich so schwer?“….fragte er sich jetzt.
 „So ein Getue ist ein Weich-Ei-Geschwafel“…raunte es von irgendwoher. „Du hast es nicht nötig, Dir derart vor Deiner Frau die Blöße zu geben…“
Nein, das hatte er sicherlich nicht nötig !

 Dennoch bedrückte ihn die scheinbare Unfähigkeit, ihr eine derartige Liebeserklärung nicht machen zu können,….. wenngleich er wusste, wie viel mehr Wert diese ausgedrückten Worte haben würden als sämtliche Kostbarkeiten, die er ihr für Geld hätte kaufen können.

Angesichts dieser Unfähigkeit kamen in Herrn P. nun sehr schamhafte Gefühle hoch. Er stellte fest, dass er sich vor sich selbst schämte. „Das fühlt sich ja noch viel schlimmer an als die Vorstellung des Vorwurfes, ein Weich-Ei zu sein!“, dachte er und wurde innerlich ganz still.

„Mein Entschluss steht fest!“…..freute sich Herr P. nach einer kurzen Denkpause,  immer noch ein klein wenig zögerlich….

P.S.  Das folgende Weihnachtsfest erlebte Herr P. fast genauso freudvoll und intensiv wie damals, als er noch ein kleiner Junge war.

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